Jorel  (Elisabeth Jordin)


geboren 1949 in Meckenheim / Bonn

 

Künstlerischer Werdegang als Autodidaktin

 

Seit 1996 Mitglied der Literaturgruppe
der Stadt Köln »Flüstern aus dem Schneckenhaus«,

zwei veröffentlichte Gedichtbände mit der Gruppe

 

1997 Beginn der Malerei
(Technik von Aquarell bis Acryl,
Mischtechnik, Collagen, Drucke)

Ausbildung bei verschiedenen Kursen der VHS Köln und Bonn, Drucktechnik bei der Künstlerin Imka Ikele-Matiba, Bad Godesberg,

Schülerin bei Hetty Liebelt (Malschule art@cetera, Bad Godesberg)

 

Seit 2003 Mitglied im Kunstverein Bad Godesberg,

ab 2006 dort freie Kursleiterin für »Kreatives Schreiben« und Initiatorin der Schreibwerkstatt »Die Schattenspringer« (gegründet im August 2006)

 

Ausstellungen und Lesungen in Köln, St. Augustin und Bad Godesberg



Kontakt:

Tel.: 02225-7097896

Veröffentlichungen:

 

Du bist mir auf dem Fuß gefolgt (2005, Eigenverlag)
Gestaltung der Hörbuch-CD »Gedankenstrich«
    (musikalische Begleitung Peter
Mehlfeld, 2006, Eigenverlag)

Poesie erlebt (2007, Eigenverlag)

Die Erde schimmert (2008, Eigenverlag)

Was wäre, wenn der Frühling uns ereilen würde (2009, Eigenverlag)




Weitere Textproben:

 

 

Der Geist aller Dinge

 

Den Geist aller Dinge zu suchen

ging ich über Wiese und Acker

ließ meinen Blick schweifen.

Die Füße rasch müde

gingen weiter und weiter

über Gras, Schotter und Teer.

Die Gedanken nicht ruhten

auf dieser Suche

nach außen kehrte sich der Blick

genoss die Schönheit der Schöpfung

fand Farbe, Licht und Wärme.

Doch erst als ich erschöpft Ruhe suchte

auf der alten Bank

fand ich in meiner inneren Stille

Dich, ganz nah bei mir.

Dort wo du immer schon gewesen.

Trügerisch

 

Trügerisch ist manche Blüte

an der man gerne riecht

die schillernd ist und wohlgestalt

Avancen rasch genießt.

Beständig ist das Gänseblümchen

das immer treu erscheint

Nach jedem Seelenwinter

mit lieben Augen mir so nah

dass ich gerne pflücken möchte

mir einen satten Strauß.

Ich hege ihn und pflege ihn

damit er lange leuchtet

in meines Herzens Haus



Raum

 

Wie eine schroffe Wand gestaltet

mit Runen, Rissen, Haken

zerrieben und zerschlissen

durch Jahre abgetragen

Jedoch durch die Erinnerung

wie ein Gemälde schön

von Händen fein gewirkt

gemalt, gezeichnet, ziseliert

wird Leben durch die Zeit geführt

wärmt trotz aller Pein und Schmerz

das Herz.

 

 

 


Spinnennetz

 

Es ist die Zeit

der fallenden Blätter

in schillernden Farben

säumen sie den Weg

leuchten in der Dunkelheit

trösten mich

ob des vergangenen Sommers

Den Rest der Wärme

schenken sie mir

gespeichert in einem Jahr Leben

keines geht je verloren

sie werden Erinnerung

in dunkler Zeit

 


Unter der Decke

 

Unter der Decke

liegst du

lauschst du

Zitternd

wird sie schlagen

wird sie streicheln

Angst und Hoffnung

gleichermaßen geweckt

in der Dunkelheit

durch eine Hand

Begegnung

 

Belebend

wie ein Sommergewitter ,

erneuert die Welt der Sinne.

Entzündet Wort um Wort

der Gedanken Strom.

Bewegung

in vergessenen Blättern

der Vergangenheit.

Neues wird Wurzeln treiben,

sich verbreiten

erstarken, strahlen.

Farbe bringen

Grund genug zu leben

des Sommers Frucht ernten

Welche Lust.



Wasserweg

 

Vom müden Fuß

den Schuh zu lösen

die Augen hebend

in die Ferne zu sehen

Nähe zu spüren

das eigene Ich fließend

wie Wasser klar und rein

Es ist Zeit frei zu sein 


Die Augen wandern

 

Die Augen wandern

gleich den Füßen

erfassen

den grünen Frieden ringsum.

Sanfte Hügel, dunkle Wälder

begrenzt nur vom Himmel

hoch über mir.

Raubvogel rüttelt über Wiesen

stürzt aus dem Blau hinab insGrün

genießt den Fang

der sein Leben sichert.

Gaukelnd umschwebt

mich ein Schmetterling

dem süßen Nektar auf der Spur

Wind erfasst ihn treibt ihn weiter

wie mich.

Im Fluss der Zeit

 

Im Fluss der Zeit

die Schönheit schwindet nicht.

Sie nimmt nur andere Formen an,

sie ändert ihr Gesicht.

Was vordem unverbraucht und rein

spricht später mir vom Leben.

 

So wie ein Baum

der Mensch erstarkt

ist Wurzel, Stamm und Ast.

Seine Blüten werden Frucht

die Leben neu erschafft.

 

Im Fluss der Zeit

kommt er und geht

mit jeder neuen Welle.

taucht hinab zum tiefsten Grund

schleudert hoch ins Helle.

So fließt das Leben fort und fort

Im Fluss der Zeit ohn' Ende. 



Waldgedanken

 

Sanft atmet der Wald

die Feuchtigkeit

des letzten Regens ein.

Der Duft seines Laubes

berührt mein Gesicht.

Ikarus Geliebte malt Bilder

zu meinen Füßen

Verstecken spielen die Waldgeister

werfen mir Früchte des Baumes

wie kleine Botschaften zu.

Sie hüten Geheimnisse

die zu entschlüsseln

mein Leben nicht reicht. 

Mach dir nichts vor

 

Mach dir nichts vor

du bist so wichtig nicht,

bist Rädchen nur

im großen Räderwerk.

 

Im großen Weltgedanken

bist du ein kleiner Zwerg.

Es türmen die Probleme

sich wie Gebirge auf ,

du hüpfst nur über Steine

träumst von des Lebens Lauf.

 

Da bist du nicht alleine

viel Andere tun das auch.

Ihr seid die Bindeglieder

durch Sitte Art und Brauch,

seid starke Brückenpfeiler

und Tür und Tor der Stadt

die ihr durch treue Liebe

zur Wehr gebaut euch habt.



Das Zauberwort

 

Gestern haben wir wieder miteinander telefoniert. »Weißt du noch?«, wie oft fiel dieses Wort während des

Gesprächs. »Weißt du noch?«

 

Wir lachten und kicherten in Erinnerung an die Streiche die wir miteinander ausgeheckt hatten. Dann, irgendwann hast du mich gefragt: »Kennst du es noch?« - »Was?« - »Nun das Zauberwort, du wolltest es nie vergessen.«

 

»Ich weiß nicht was du meinst«, sagte ich. Plötzlich war deine Stimme so ganz anders. So fern von mir, so kühl. Mich beschlich eine gar seltsame Furcht. Mein Redeschwall versiegte. Es war als wüsste ich plötzlich nichts mehr. Nichts das sich lohnte, dir zu erzählen. Und dann du: »Schön, dass du dich gemeldet hast, ich muss jetzt in die Küche, die Kinder, du weißt ja.«

 

Nein, fast wollte ich es herausschreien, nein, ich wusste nichts, gar nichts mehr. So legten wir die Hörer auf. Seit dieser Stunde ging in meinem Kopf unablässig dieselbe Frage um. Kennst du es noch, das Zauberwort? Unfähig eine Arbeit zu verrichten bewegte ich mich zwischen den Dingen in meiner Wohnung hin und her.

 

Was war es nur, warum konnte ich mich nicht erinnern? Wie hieß das Spiel, das wir spielten. Spielten wir es immer oder nur einmal? Und warum zum Teufel, wenn du das Wort weißt, hast du es mir nicht gesagt? Es war schließlich nur ein Kinderspiel, ewig lange her. Jetzt sind wir erwachsen, sollte man meinen. Du bist so kühl jetzt, ich will das nicht. Ich will dich nicht verlieren.

 

Mit rasendem Herzen hebe ich den Hörer ab und sage es dir, genau das.: »Ich will dich nicht verlieren!« Du lachst. Alles ist gut, kennst du das Zauberwort.


Drei Weingläser

 

Drei Weingläser

Auf meinem Tisch

am frühen Morgen

fand ich drei Gläser noch als Rest

inmitten Krümel einer Pizza

ich war mehr als nur perplex

 

Drei Gläser Wein

eins rot, eins weiß und eines golden

so standen sie vor mir

 

Wer war als Gast heut Nacht bei mir

ich konnt´ mich nicht erinnern

ob ich doch nicht nur Wasser trinke?

 

Ich suche Spuren, finde nichts

kein Abdruck und kein Lippenstift

was soll der ganze Spuk?

 

Hat mich mein Auge nur genarrt

wer hat sich einen Spaß gemacht?

Mein Blick fällt auf die Staffelei

das Bild das mich von dort anlacht

es zeigt mit Stil und Phantasie

Drei Gläser Wein

die ich im Traum erdacht



Zahlreich wie Regentropfen

 

Zahlreich wie Regentropfen

perlten Gedanken in die Zeit

nahmen Gestalt an

wurden zur Wahrheit

wirken und werden zur Flut

von Dingen

die der Mensch gestaltet

FUNKER

 

F     Funkruf

U     über Grenzen hinweg

N     nähert sich ein Geist dem Andern

K     kündet von altem Wissen

E     Eingeweihte werden in Not zu

R     Rettern des Lebens