Marion Breitenstein


geboren 1962 im Ruhrgebiet (Marl),

verbrachte ihre Jugend und Studienzeit (Jura) im Münsterland,

lebte viele Jahre im westfälischen Hamm, bevor

sie 2008 zum Arbeiten, Wohnen und Wohlfühlen in das Rheinland zog.

Ist neugierig und offen für alles, was mit Sprache zu tun hat.

Spezialität: Zwischenmenschliches, Dialoge und Männerpsyche.

 

Bei den Schattenspringern seit 2009



Veröffentlichungen:

Kurzgeschichte in »Collection deutscher Erzähler 2013«, Fischer Verlag

»Die Penne und ich«, Schülerreportagen, Edition Tomek

ferner diverse kleinere Beiträge und Projekte




Textproben:

 

 

Zwischenspiel

 

Und wieder platzt eine Seifenblase

und zeigt dem Traum

die lange Nase

 


WANDLUNG

 

»Bist du verheiratet?« fragte er seinen Bekannten.

 

»Ja, einmal« antwortete dieser forsch.

 

»Nur einmal? Vielleicht wäre es an der Zeit etwas zu verändern – time to Change – ?« schlug er flapsig vor.

 

Der Gedanke gefiel dem Bekannten irgendwie. Er fühlte sich jünger und abenteuerlustig. Recht hatte er, dachte er sich. Warum nicht mal etwas Neues wagen? Die alten Zöpfe abschneiden. Wenn er so recht überlegte, hatte er in der letzten Zeit durchaus auch schon an solche Möglichkeiten gedacht. Immer dann, wenn aus den alten Gewohnheiten lästige Verpflichtungen geworden waren. Auch dann, wenn sie ihm wieder einmal gehörig auf die Nerven ging. Meine Güte, wenn er nur an ihr kleinkariertes Verhalten beim letzten Streit dachte, oder an ihr genervtes Gesicht, als er noch ein bisschen länger mit den Freunden zusammen sitzen wollte. Warum hatte er eigentlich nicht schon längst mal etwas unternommen? War er bloß zu feige gewesen oder hatte er vielleicht daran gezweifelt, ob er bei einer anderen Frau noch landen könnte? Ach was! Wenn andere ihn jetzt schon ermuntern, dann sollte er doch nun wirklich einmal an sich glauben. »Mehr Selbstvertrauen, Junge!« sprach seine innere Stimme.

 

Scheinbar hatte der Bekannte gute Erfahrungen gemacht, sonst würde er sicher nicht solche Empfehlungen aussprechen. Er erkundigte sich genauer und bekam die verlockendsten Geschichten zu hören.

 

Auch andere mischten sich nun ein. Er schien ein Thema angeregt zu haben, zu dem fast jeder Mann am Tisch einen unterstützenden Beitrag leisten konnte.

 

Was war das für ein herrlicher informativer Abend gewesen! So gut hatte er sich schon lange nicht mehr gefühlt. Mit breiten Schultern und voller Entschlossenheit sein Leben von nun an völlig umzukrempeln, öffnete er seine Wohnungstür. »Klara! Bist du noch wach?«

 

Keine Antwort. Er polterte durch alle Räume. Irgendwie sah die Wohnung verändert aus. So durcheinander. Die Schubladen waren nicht so sorgfältig verschlossen wie sonst. Alles wirkte zerwühlt und leer. Jetzt entdeckte er den Zettel auf dem Küchentisch:

 

Es tut mir sehr leid. Es ging nicht anders. Aber so konnte es nicht weitergehen. Ich hatte dir viel Gelegenheit gegeben dich zu verändern. Du hast sie nicht genutzt. Nun nehme ich es in die Hand. Time to change.