Leseproben aus dem Jahre 2016 (Sept. - Dezember)

Zum Stichwort »Lila« (Treffen am 09.12.2016)

Lila Blume (Stefanie Endemann)

Lila Alpenglühwein (Alexander Mühlen)

Weihnachtsfrei (Herbert Reichelt)

 

Zum Stichwort »Heizung« (Treffen am 09.12.2016)

Von dem Mann, der keine Heizung mehr brauchte (Stefanie Endemann)

Heizung (Edith Hoffmann)

Heizreiz (Alexander Mühlen)

 

Zum Stichwort »Glas« (Treffen am 11.11.2016)

Glas (Jorel)

Nach Stalin (Alexander Mühlen)

 

Zum Stichwort »Welt hinter Glas« (Treffen am 11.11.2016)

Welt hinter Glas (Jorel)

Weihnachten hinter Glas (Alexander Mühlen)

 

Zum Stichwort »Steine« (Treffen am 14.10.2016)

Aus der Felswand (Jorel)

Behauen - Akrostichon (Jorel)

Stein des Anstoßes (Jorel)

Steinige Wege - Akrostichon (Jorel)

Steinreise (Alexander Mühlen)

Beschreibung eines Steines (Alexander Mühlen)

 

Zum Stichwort »In meinem Land« (Treffen am 14.10.2016)

In meinem Land (Alexander Mühlen)

 

Zum Stichwort »Leere Taschen« (Treffen am 09.09.2016)

Urlaubserinnerung (Jorel)

Leere Taschen - Akrostichon (Jorel)

Leere Taschen II (Jorel)

Kein Überdruss (Alexander Mühlen)

 

Zum Stichwort »Klassenbuch« (Treffen am 09.09.2016)

Das Klassenbuch (Jorel)

Klassenbuch - Akrostichon (Jorel)

Bischof (Alexander Mühlen)

 

 

 

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Lila Blume (Stefanie Endemann; Treffen am 09. Dezember 2016)

 

Es war einmal eine Blume, die im Park der Königin der Nacht blühte, und darum trug sie die passende Nachtfarbe Lila an sich. Die Blume stand zierlich da, wo sie hingehörte, nämlich in einer Rabatte vor dem Palast der Königin, zwischen schwarzen Tulpen und blassgrünen Flechten. Daran schloss sich ein zierliches Wäldchen am Asphodelensumpf an, mit Mooreichen, Sumpfzypressen, Grauespen, Zitterpappeln und Trauerweiden bestanden, es war allerliebst, und wenn der silberne Mond hineinschien, schimmerten alle Blätter und Äste in Silberweiß. Es konnte kaum Schöneres geben; aber der kleinen lila Blume genügte das nicht, sie hatte gehört, all dies magische Licht sei doch nur ein Abglanz der Sonne, der Sonne. Und die kleine Blume begann, sich ordentlich zu sehnen nach dem originalen goldenen Lichte, den mächtigen Strahlen.

 

Belebt war der Park auch, Motten taumelten daher, Eulen schwangen sich lautlos durchs Geäst und ließen ihre Rufe

ertönen, der Siebenschläfer kroch die Äste entlang und rief. Und am Boden krochen leuchtendfarbene Salamander.

 

Besonders tat sie das, wenn aus dem Palast die Töne der Lieblingsarie der Königin zu ihr drangen, dann schrak sie zusammen ob der schneidenden Silbrigkeit der Töne und bekam Runzeln, was ihr gar nicht stand. Das war sozusagen die Migräne der blauen Blumen. Die Blume hätte bei den schmetternden Tönen in den Boden sinken mögen, aber da gab es ja die Sehnsucht, die drängende Sehnsucht, obwohl die kleine lila Blume wusste, dass sie nicht geschaffen war für das Licht, und das den Tod bedeutete. Alles , alles lieber als hier zu bleiben und hier zu verblühen, sagte sich die Blume.

 

Eines Tages ging Tamina, die Prinzessin, im Garten spazieren, ein blasses, doch sehr schönes Mädchen, die die Herrschaft ihrer Mutter ziemlich dicke hatte und irgendwie den Ausweg suchte. Arme kleine Blume, arme Tamina. Nimm mich mit, flüsterte die lila Blume der unwirsch herumspazierenden Prinzessin hinterher, und als ob diese es gehört hätte, hielt sie inne, stutzte und überlegte. Das war wieder mal ein ordentlicher Krach gewesen, Tamina fasste einen Beschluss:

 

Raus hier, sagte sich Tamina, das bleiche energische Mädchen, als die Mutter wieder mit ihrer Arie anhob. Sie verfügte sich in den Palast und kam binnen kurzem wieder mit einer dicken Vermummung wieder. Dazu hatte sie sich eine behelfsmäßige Sonnenbrille gefertigt, und, als ob sie so noch nicht schick genug aussähe, hatte sie sich einen breiten Sombrero aufgesetzt. So schritt sie heftig murmelnd an der Rabatte vorbei, um dem Ausgang zuzustreben, jedoch, als ob sie der Ruf der kleinen Blume wieder erreicht hätte, kehrte sie noch einmal um, ließ ihren Blick über die Rabatte schweifen und brach das lila Blümlein, um es sich an den Hut zu stecken. Die kleine Blume ließ sich das mit einem Seufzer gefallen, wusste sie doch, dass sie jetzt mit dem letzten Lebenshauch die Sonne zu spüren bekommen würde.

 

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Lila Alpenglühwein (Alexander Mühlen; Treffen am 09. Dezember 2016)

 

Warum bloß muss das Rindvieh violett sein

Auf grüner Wiese steht es in den Hügeln

Wenn ich es vor mir seh‘, muss ich mich zügeln

Für Süßigkeiten kann ich furchtbar nett sein

 

»Milchschokolade« muss das Etikett sein

Das ich benutze, ohne es zu bügeln

Braun und gerippt, so soll es mich beflügeln

Wie einst die Cowboys will auch ich adrett sein

 

Erst gestern ist mir nachts im Traum erschienen

Ein Ochsentreck mit Glühwein und Pralinen

Die Kuh und ich, wir gehen jetzt nach Hause

 

Hoch auf die Alm, da ist das Leben stiller

Dort glänzt im Alpenglühn die Farbe LILA

Beim Wiederkäu’n der Schokoladenjause.

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Weihnachtsfrei (Herbert Reichelt; Treffen am 09. Dezember 2016)

 

Mir ist so lila, lilalu,

das liegt bestimmt nur am Advent.

Schau da, ein Stern! Ein Lichtlein brennt,

und Weihnachtslieder immerzu.

 

Ach, wär das Fest doch schon vorbei

und Ende mit Lalilalu,

statt Schoko-Engeln lila Kuh.

Der Kopf wär endlich wieder frei.

 

Fort mit der Weihnachtsmärkte Schauder!

Kein Christkindl, kein Mittelalter!

Kein Met, kein Glühwein – nur noch kalter!

Und mittelalt allein der Gouda.

 

Doch ist’s noch lange nicht vorbei.

Es gibt noch reichlich Lilalu

und Nikolaus statt lila Kuh.

Warum gibt’s nur kein weihnachtsfrei?

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Von dem Mann, der keine Heizung mehr brauchte
             (Stefanie Endemann; Treffen am 09. Dezember 2016)

 

Sascha war ein richtig cooler Typ, der auf einen völlig anderen Trip sich begab als all die anderen in der Konsumwelt. Sascha wusste, was Konsumterror war, er wollte sich davon nicht weiter deformieren lassen und fing an, konsequent Konsumverzicht zu üben. Erst entfernte er alles Geschirr bis auf zwei Teller und zwei Coffee-Mugs, er wollte schließlich ab und zu zu zweit dinieren. Seinen Kleiderschrank durchforstete er, und stellte fest, er konnte auf fast alles bis auf zwei Jeans , ein paar T-Shirts und zwei Pullis verzichten, zum Glück brauchte er alsdann auch keinen Schrank mehr. Ein Tisch war entbehrlich, die Araber brauchen schließlich auch nur ein Tuch auf dem Boden.

 

Bücher konnten genau so gut auf den Laptop, CD´s ebenso, die lästigen Regale konnten dann auch endlich weg. Seine Habe war auf ein paar Textilien geschrumpft, die unverzichtbare Gitarre, die er dennoch bald für eine Ukulele eintauschte, ein Schraubenzieher, ein Fahrradknochen ... und jetzt war er seinem Traum schon ziemlich nahe; alles, was er hatte und brauchte, passte nahezu in einen Rucksack. Denn seine Matratze war aufblasbar.

 

Jetzt fielen ihm nur noch immaterielle Werte ein, derer er sich entledigen konnte. Sünden! Jetzt näherte er sich ernsthaft der Entlastung, ha! Gott? Weg damit, braucht man nicht. Sascha konnte tief aufatmen. Bildung, Kunst, Kultur? Konzerte? Kannste vergessen. Freundin? Tschüss!

 

Sascha fühlte sich trotzdem immer noch beschwert und belastet. Weihnachten wurde gecancelled, Geburtstage konsequent ignoriert. Das Bankkonto gehörte gekündigt, die Dokumente als Daseinsnachweis  wurden im Park vergraben. Sascha ging jetzt containern und zur Suppenküche, da konnte er bald alle Teller wegschmeißen.

 

Immer noch nicht fühlte er sich vollends befreit.

 

Sascha stand in seiner Wohnung, die fast schon besenrein war, und blickte sich um. Was kann man denn noch loswerden, um der Reinheit näherzukommen? Endlich ein freier Mann sein!

 

Sein Blick fiel auf die Heizkörper seiner Einzimmerwohnung, die unverschämt materiell und aufdringlich in das große Reine hineinragten. Sein Entschluss war schnell gefasst. Sascha griff zu seinem knappen Werkzeug, nahm geschickt die Heizkörper ab, schleppte sie aus der Wohnung, und blickte unendlich befriedigt auf die leeren Wände im Kubik.

 

Die erste Nacht überstand Sascha noch ganz gut, auch die zweite und dritte Nacht, aber nach einer Woche waren die Wände dermaßen ausgekühlt, dass Sachas Triumpfgefühle nicht mit seiner Not mithalten konnten.

 

Sascha stellte hustend und gedemütigt fest: Er brauchte unbedingt eine Anschaffung, nämlich einen dicken Polarschlafsack.

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Heizung (Edith Hoffmann; Treffen am 09. Dezember 2016)

 

Wie eiskalt ist dies Händchen

erlaubt, dass ich es wärme

Ich hab zwar keine Therme

aber ein Heizölkännchen

 

So singt Rudolfo, das Männchen

das voll ist von Geschwärme

für Mimi, die einst Ferne

Sie steht vor ihm im Hemdchen

 

Er gießt Öl in den Ofen

schreibt für sie neue Strophen

Die Flamme brennt lichterloh

 

Sie halten sich an den Händen

Bald wird sich alles wenden

Rudolfo und Mimi sind froh


Heizreiz (Alexander Mühlen; Treffen am 09. Dezember 2016)

 

Der Winter kann mich überhaupt nicht reizen

Das Leben ist viel härter als im Lenze

Der Schwerpunkt des Gescheh’ns erreicht die Grenze

Wo man sich wärmen sollte – bloß nicht geizen

 

Die Leichtölrechnung fängt an, sich zu spreizen

Budget des Monats schwillt in seiner Gänze

´ne Bargeldquelle – gäb es sie, ich fänd’se

Das alles, um mir tüchtig einzuheizen

 

Das Christkind schickt vorab mir schöne Grüße

Geschenkt, getröstet – doch mir frier’n die Füße

Nie wieder will in Schnee und Eis ich leiden

 

Werd‘ ich gewärmt aus fern erhitzten Röhren:

Ein Knopfdruck nur, der Frost kann mich nicht stören

Genau betrachtet, ist mein Wunsch bescheiden.

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Glas (Jorel; Treffen am 11. November 2016)

 

Du warst ein Sandkorn.

Hitze wandelte dich

in Sichtbar und Unsichtbares.

Verwundbar bist du,

zart und zerbrechlich.

Den Unachtsamen

weißt du zu strafen.

Verletzt wird jeder, der dich bricht.

Kostbare Kristalle,

Werke von erlesener Schönheit

liegen in deinem Wesen,

von Menschen gemacht.

Deine Schönheit nutzen wir

zu unserm Schutz.

Wir sind in deiner Transparenz geborgen.

So hebe ich das Glas auf dich,

dem Sandkorn, das Karriere machte.

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Nach Stalin (Alexander Mühlen; Treffen am 11. November 2016)

 

Rote Fahne, klares Glas

Lang noch mahnt uns die Geschichte

Darf gescheh’n, dass man vernichte

Was der Große Krieg vergaß?

 

Der Diktator: Stählern führt‘ er

Wenn er and’re Völker fraß

Glasklar planend, ohne Spaß

Menschen opfert‘ ungerührt er

 

Glas, das ist in seinem Glänzen

Widerschein mit Transparenzen

Hort der Phantasie geblieben

 

Nie mehr rote Fahnen ehren

Frei den Funken Hoffnung mehren

Rot die Farbe, das heißt Lieben.

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Welt hinter Glas (Jorel; Treffen am 11. November 2016)

 

Wie schön war es einst im Überfluss.

Was übrigblieb,

ist nur ein kleiner Krümel.

Gar tückisch ist auch das Tablett,

auf dem serviert wird dieser Rest.

Ach, träumen kann ich nur vom Glas,

gefüllt mit bunten Säften,

die das Hirn und auch den Magen

wärmen mir nach Kräften.

Ach, ei der Daus, es ist ein Graus,

will Brot ich von dem Brett erlangen.

Augenblicklich

bin im Glashaus ich gefangen

und meine Augen laufen über.

Es gab einmal genug für alle.

Wann öffnete sich für mich die Falle?

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Weihnachten hinter Glas (Alexander Mühlen; Treffen am 11. November 2016)

 

Geschenkpakete hinter Glas

In bunter Festpapierumhüllung

Das riecht famos nach Wunscherfüllung

In jedem Päckchen wartet Spaß

 

Doch möchte ich’s mir nicht verkneifen

Und stell‘ die Frage aller Fragen

Wie soll ich das nach Hause tragen

Die Glaswand hindert zuzugreifen

 

O könnt‘ ich mit dem Spender sprechen

Und diese schnöde Wand durchbrechen

Ganz ohne fordernde Allüren

 

Sind’s rote Bänder, grüne Streifen

Ein jedes Päckchen schnell ergreifen

Wie schön, das alles aufzuschnüren …

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Aus der Felswand (Jorel; Treffen am 14. Oktober 2016)

 

Aus der Felswand gebrochen

in der du fest verankert

Jahrmillionen

hat dich der Mensch

zu seinem Nutzen

Er hat deine Form verändert

dich behauen und geschliffen

Ein Juwel hat er geschaffen

aus dir.

Nie mehr

wirst du einfach sein

Niemals mehr nur ein Stein

Bist nun Schmuck und Haus

Weg und Straße

doch bist du nicht mehr frei

dienst dem der dich veränderte

Stumm

wie ehedem

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Behauen - Akrostichon (Jorel; Treffen am 14. Oktober 2016)

 

Berg warst du

ein großer Geist

herausgebrochen

aus der Masse wurde

unter tiefem Schmerz

ein Teil deines Wesens

Namenlos ist nun dein Weg

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Stein des Anstoßes (Jorel; Treffen am 14. Oktober 2016)

 

Vom Acker auf den Weg geworfen

denn

Im Schweiße deines Angesichts

sollst du dein Brot essen.

Niemand hat davon gesprochen

dass der Weg dorthin

so blutig ist.

Deinen Stein des Anstoßes,

jemand wird ihn heben

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Steinige Wege - Akrostichon (Jorel; Treffen am 14. Oktober 2016)

 

So sehr

tobt der Sturm

erhebt sich der Zorn

in dieser Zeit

Neidvoll

ist so manch ein Blick

gern bist du nicht gesehen Fremder

eilst über steinige Wege

 

willst ein Heim finden

eine Zukunft haben

gehst du wirklich über diese Grenze

Einwanderer?

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Steinreise (Alexander Mühlen; Treffen am 14. Oktober 2016)

 

Fahren möcht' ich nach Italien

Tickets hab' ich in der Tasche

Beim Vesuv such' ich die Asche

In Ligurien Mineralien

 

Mein Venedig lässt mich beben

Überall find' ich die Spuren

In den Sand mal' ich Figuren

Still und sonnig will ich leben

 

Heiterkeit, Du bist die Meine

Und vom Herzen fallen Steine

In den Brunnen soll'n sie sinken

 

Edelsteinchen, sei romantisch

Gern ergreife Deine Hand ich:

Aus dem Steinkrug woll'n wir trinken!

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Beschreibung eines Steines (Alexander Mühlen; Treffen am 14. Oktober 2016)

 

Wie der Schiefer,

so in Schichten

Nicht wie Kiefer, nicht wie Fichten

 

Glitzer-Sandstein, vor mir liegst du

Wie ein Taubenei, so schmiegst du

Dich diskret in meine Hände

 

Nicht polieren, nicht zerbrechen

Vielleicht kann ich mit Dir sprechen

Wenn ich dich nur immer fände...

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In meinem Land (Alexander Mühlen; Treffen am 14. Oktober 2016)

 

Seit langer Zeit herrscht Frieden

In meinem Land

Die Schwalben zieh'n nach Süden

In meinem Land

 

Von dort her die Migranten

Woll'n in mein Land

Aus Ländern, die verbrannten

Das ist bekannt

 

Wie wird es weiter gehen

In Stadt und Land

Woll'n wir das Elend sehen

Wer reicht die Hand?

 

Nicht nur an Zahlen denken

Den Opfern Hoffnung schenken

Ich bin gespannt!

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Urlaubserinnerung (Jorel; Treffen am 09. September 2016)

Der Urlaub ist vorbei

wieder beginnt

das tägliche Einerlei.

Ich stehe vor leeren Taschen

die vorher gut gefüllt mit Wäsche.

Ein wenig Sand ist noch geblieben

vom Strand

so fein, so pudrig.

Noch meine ich zu spüren

die Wärme unter meinen Füßen

den warmen Wind in meinem Haar

das flirren der Hitze über dem Wasser

in das ich lachend tauchte.

Doch meine Taschen sind nun leer

genau wie meine Urlaubskasse

geblieben sind Erinnerungen

und der Wunsch nach mehr.

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Leere Taschen - Akrostichon (Jorel; Treffen am 09. September 2016)

 

lachend in die Sonne fuhr ich

eine ganze Woche lang

etwas blieb von dieser Zeit

Reste eines Sonnentages

erlebte Schönheit

 

trug ich heim

Alles was ich noch besaß

Sand, Sandalen, Badetuch

Chor der Möwen noch im Ohr

heimwärts zog

es mich nun wieder

nahm die Muschelschalen mit.

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Leere Taschen II (Jorel; Treffen am 09. September 2016)

 

Wie lange stand ich hinter Glas

so viele kamen

mit leeren Taschen.

Geschichten hörte ich mannigfach

von all den Leben aus Verzicht.

Manche konnte ich gut verstehen

Andre wiederum auch nicht.

Der eine schon mit Nichts geboren

der Andere im Überfluss.

Sie standen vor mir, alle gleich

und hatten leere Taschen.

Heut ist es wieder ebenso,

sie kommen nun in langen Reihen

aus fernen Landen

Tag für Tag

mit nichts als Kleidern auf der Haut

und sanftem Lächeln im Gesicht.

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Kein Überdruss (Alexander Mühlen; Treffen am 09. September 2016)

 

Vom Überfluss des Lebens wollt‘ ich naschen

Von spröden Dingen und besonders schönen

Des Sommers Lied erklang in hellen Tönen

Und diesen Wohlklang meint‘ ich zu erhaschen

 

Des Lebens Lust füllt‘ ich in bunte Flaschen

Das sollte mich mit Alltagsfrust versöhnen

Ein wenig Poesie das Herz verwöhnen

Voll Reichtum wollt‘ ich sein mit leeren Taschen

 

Jetzt pfeif‘ ich auf den Dauerstress, den faden

Den Blick gerichtet zur finalen Geraden

Mit Aussicht, einer Blume Bild zu werden

 

Gelobt, geliebt - Gestalt bin ich geworden

Flieg‘ mit dem Schwalbenschwarm zurück nach Norden

Und folg‘ der Sonne mit dem Blick zur Erden…

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Das Klassenbuch (Jorel; Treffen am 09. September 2016) 

 

Das Klassenbuch

ein Klasse Buch

worin Geheimnisse wohl stehen

die ich noch nie gesehen.

Wer hat gestört, wer hat geschwänzt

und wer mit Bauchweh krank gewesen.

Wer träumt bei Geo in die Welt

und hat dabei gar nichts begriffen

von all den Dingen die so wichtig

nach Meinung meines Lehrers.

Ach rezitieren war nicht meins

in meinen Kindertagen,

drum hieß es oftmals

»Setzen Sechs«,

da konnte ich noch so klagen.

In den Pausen sprang ich dann

meist von der hohen Mauer

dabei ist es sehr oft passiert

dass meine Knie arg lädiert

verpflastert wurden von dem Sani.

Ob das wohl auch im Buch drin stand,

in dem geheimnisvollen?

Bestimmt, zumindest die Ermahnung

Ich solle nicht so tollen.

Doch brav sein war nun mal nicht meins

im Fach Unfug hatte ich stets eine Eins.

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Klassenbuch II (Jorel; Treffen am 09. September 2016)

 

Kein Tag ohne

Lust aufs Leben

Also auf

Stepp bei

Stepp

einen Fuß

neben den anderen gesetzt

Bald schweigen alle

Unkenrufe

Courage kennt keine

Heimlichkeit

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Bischof (Alexander Mühlen; Treffen am 09. September 2016)

 

Am Niederrhein, wo ich zu Hause

Kommt immer pünktlich zum Advent

Ein guter Mann, den jeder kennt

Er bringt Geschenke ohne Pause

 

Ein bischöflich Gewand, das tragt er

Den Sack mit Spielzeug auf dem Rücken

Sein Kommen grüßt man mit Entzücken

<Wo sind die braven Kind‘?> so fragt er

 

Ein solcher Mann, der hat es eilig

Und sei sein Wirken noch so heilig -

Die Eltern sollten schon beizeiten

 

<Sind’s gute Kind‘, sind’s böse Kind>

Gen Himmel senden, und geschwind

Dem -Klaas en Buch- zum Vorbereiten!

 

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